Eichenoase

Unter der Anleitung des Komponisten Saad Thamir kommen Choristen beider Hemisphären zusammen.

Thamir versteht es, ausgehend von seinem eigenen kompositorischen Schaffen, – nach jahrelanger intensiver Forschung im Bereich der Musiktheorie der arabischen-orientalischen Musik, sowie auch als Experte für die westlich-abendländische Musik –, die Kernelemente beider Musikwelten klar herauszustellen. Besonders zu betonen ist dabei sein musiktheoretischer Verdienst um eine neue Systematisierung orientalischer Musik. Mit Entdeckung eines neuen Systems schafft Thamir es, die orientalische Musik verständlich und erlernbar zu machen. Auf dieser Basis sind Methoden entstanden, die es westlichen Chorsängern ermöglichen, in die orientalische Musik einzusteigen, sie sich anzueignen sowie natürlich auch direkt zu musizieren – und umgekehrt mit den arabischen Chorsängern. Der Gebrauch von und die Improvisation mit Tetrachorden, Pentachorden sowie Vierteltönen stehen dabei im Zentrum.

Das Material, das diesen Stücken zu Grunde liegt, sind Volkslieder beider Kulturen. Im Volkslied finden sich die musikalischen Merkmale in einer ganz puren Weise: als „Sahne der Kultur“, denn das Volkslied entsteht ganz eng am Kern einer Kultur. Aber seien sich zwei Kulturen auch noch so fremd – in diesem Kern können sie sich ganz nah sein! Thamir nimmt also die Volkslieder der so verschiedenen Musikkulturen als sein musikalisches Material, das er bearbeitet und zu Stücken arrangiert.

Ziel ist es also, die beiden musikalischen Systeme für alle Seiten sichtbar zu machen, indem sie zugänglich und singbar werden. Als Gegenüberstellung beider aber soll an diesem Punkt der Prozess nicht schon stehen bleiben! Es gibt unzählige musikalische Vereinigungsversuche, die sich darin erschöpfen, die eigene Musik nur durch die Elemente der anderen – durch das „exotische Plus“ – anzureichern. Beispiele, in denen der „orientalische Klang“ der westlichen Musik wie ein Luxuselement hinzugefügt wird oder andersherum einzelne westliche Musikelemente orientalischer Musik einen „Bass“ verleihen, entsprechen nicht dem Ansatz dieses Projektes. Hier werden die Systeme zu einem neuen Stoff verwoben. Die Bearbeitungen des Komponisten und die Schöpfungskraft der Teilnehmer lässt eine neue Musik entstehen, die die stereotype Addition überwindet und, für die neue Zeit und die verwobene Lage der inter- und nationalen Bewegungen steht, sie zum Klingen bringt. Thamir beschreibt dies als eine „kulturelle Notwenigkeit“, denn eine Barriere zwischen Kulturen kann nicht nur sprachlich überwunden werden, sondern auch künstlerisch bzw. musikalisch.

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