Ya Farhatan

Selten ist in der westlichen Tonalen Musikkultur eine Struktur zu finden, in der dramaturgischer Aufbau, Variationstechnik, Motiventwicklung und vollkommene harmonische Gestalten derart vorkommen, wie bei Beethoven. Anders ist es in der arabischen Musikkultur. Das musikalische Gebilde enthält zwar keine Dramaturgie, Variationen, Harmonien und dergleichen. Dennoch kann die arabische Musik das Absolute erreichen, da die ästhetische Vorstellung auf dem unendlichen Netz der vierzehn Tongeschlechter beruht, der Tetra- und Pentachorde.
Durch die ästhetische Auseinandersetzung und eine neue Vertonung Schillers „An die Freude“ auf Arabisch und Deutsch hat es sich der Komponist Saad Thamir zum Ziel gemacht ein neues symbiotisches Musikgebilde bestehend aus den beiden Musikkulturen zu schaffen. Die Elemente der beiden ineinanderfließenden Musikkulturen werden aber keinesfalls nur nebeneinanderstehen und kein Stil wird den anderen dominieren. In einem dramaturgischen Verlauf strickt Thamir ein neues Gewebe.
Praktisch realisiert wird die Komposition von einem westlichen Orchester und arabischen Kammerensemble mit zwei Vokalensembles, jeweils deutsch und arabisch.
Das Projekt initiierte der Kalligraph Shahid Alam, der am Konzertabend das Gedicht gestalten wird – zu sehen auf einer Leinwand.
Mit den Geräuschen der Federführung des Kalligraphen versucht es der Komponist im gemeinsamen Wirken der Musik und der Kunst der Kalligraphie eine Einheit aus mehreren Ebenen zu schaffen: zwischen den Musikkulturen; zwischen der Schrift- und Musikkultur, und letztendlich zwischen Orient und Okzident.

Mitwirkende:

Susanne Schrage – Flöte
Rageed William – Nai
Georg Bongartz – Oboe
Annette Maye – Klarinette und Bassklarinette
Arturo Portugal – Pauke, Röhrenglocken und Hi-Hat
Eva-Marie Blumschein – Harfe
Saif Al-Khayyat – Oud
Wajed Alhafyan – Kanun
Kioomars Musayyebi – Santur
Ahmad Maasrani – Cello
Kammerorchester „Ensemble Ruhr“
Vokalensemble „Sabba“
: Rita William, Ahmad Naqischbendi, Abdulaziz Chikh Najib, Bassem Muchlis, Saad Thamir
Johanna Risse – Sopran
Génesis López – Alt
Aron Proujanski – Tenor
Bastian Röstel – Bass
Shahid Alam – Kalligraph
Saad Thamir – Komposition